Hoch die Tassen! – Zum Tee bei Designerin Anka Büchler

liselotte_ produktion_030_websiteWenn die Teetassen an der Decke hängen, dann hat Anka Büchler ihre Hände im Spiel. Die Designerin aus Weißensee rückt altes Porzellan in neues Licht – und das mit Stil. Aus Oma´s Tellern und Tassen stellt sie unter ihrem Label Lieselotte wunderschöne Hängelampen und Etageren her. Nach ihrem Studium an der Burg Giebichenstein – Kunsthochschule Halle, hat es die Wismaranerin nach Berlin verschlagen. Zuvor absolvierte sie eine Ausbildung zur Grafikdesignerin an der Grafik+Design-Schule Schwerin. Neben ihren Designstücken aus Porzellan stammen auch die Grafiken „Das Liebesspiel der Wolpertinger“ aus Ankas Feder, mit denen sie kürzlich auch auf den Berlin Graphic Days vertreten war. Beim Teekränzchen in ihrem heimischen Atelier durfte ich letzte Woche Feines von ihrer Etagére naschen und wollte alles wissen:

 

Wie entstand die Idee mit Porzellan zu arbeiten?

Ich finde Vintage-Porzellan einfach charmant. Die Formen und Dekore sind sehr liebevoll und abwechslungsreich. Wenn man sich die Details einer Tülle oder den Henkel einer Tasse anguckt, steckt da noch viel Liebe zum Handwerk drin. Außerdem reizt mich die Fragilität des Materials. Ich finde gerade die Idee aus etwas Altem etwas Neues zu schaffen schön. Viele meiner Kunden haben ihr Geschirr geerbt oder benutzen ihr Porzellan schon lange nicht mehr. Als Kerzenhalter, Etagere oder Lampe bekommen ihre ungenutzten Stücke wieder eine andere Wertigkeit und werden in den Alltag integriert.

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Hast du dir das Handwerk selbst beigebracht?

Ja, die ersten Stücke habe ich noch mit einem Handbohrer bearbeitet. Inzwischen bin aber stolze Besitzerin einer Standbohrmaschine und habe ich mir selbst eine kleine Werkstatt in den eigenen vier Wänden geschaffen. Ich fertige alle Produkte selber. So kann ich flexibel arbeiten und schnell auf individuelle Kundenwünsche reagieren. Für die Elektronik der Lampen, arbeite ich allerdings mit einem Fachmann zusammen.

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Womit hat es angefangen?

Mit den Lampen, weil mich die Lichtdurchlässigkeit des Porzellan gereizt hat. Die Etageren habe ich dann später ins Sortiment genommen, da die Nachfrage sehr hoch ist. Außerdem ist es ein Produkt, dass meine Kunden nicht so sehr auf ihre Einrichtung abstimmen wollen. Nach dem Kaffeetisch können sie sie einfach wieder in den Schrank stellen. Bei den  Lampen fällt es den meisten Interessenten schwerer sich zu entscheiden und den Schritt zu gehen, sich etwas Ausgefallenes in die Wohnung zu hängen. Das Porzellan ist zwar alt, aber es gibt so viele Formen, Dekore und Stilausprägungen, dass es meiner Meinung nach in viele Räumlichkeiten passt. Du musst eben nur das perfekte Teil finden. Gut lässt sich auch etwas ganz Modernes mit etwas sehr Altmodischem brechen. In einem Hotel in Dublin hängen meine verspielten Tassenlampen kombiniert mit zeitgemäßen industriellen Käfiglampen. Ich finde die Kombination sehr spannend.

 

Wie bist du auf den Namen Lieselotte gekommen?

Als ich 2005 zum Grafikdesign-Studium nach Halle ging, habe ich von meiner Oma Lieselotte, auch gerne „Lotti“ genannt  das erste Vintage-Porzellan bekommen. Mit ihren wohl behüteten Schätzchen hat alles angefangen. Aus diesem Grund wollte ich einen Namen mit dem ich persönlich was verbinde und der zur Philosophie des Upcyclings und zur Erscheinung meines Labels passt. Der Name Lieselotte ist charmant, traditionell aber auch wieder modern.Ana Etagere 036_klein

Hast du einen typischen Tagesablauf?

Nein, den gibt es eigentlich nicht. Ich bin ja auch noch Illustratorin und Grafikdesignerin und zeichne seit 2012 an meiner freien Serie „Das Liebesspiel der Wolpertinger“. Außerdem mache ich viele Auftragsarbeiten und die haben natürlich oberste Priorität. Danach orientiert sich dann auch mein Tagesablauf. Ich liebe die Abwechslung und finde es gut drei verschiedene Standbeine zu haben. Es wäre mir sonst auch zu langweilig.
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An was arbeitest du gerade?

Momentan arbeite ich an einer Webseite für eine Fotografin. Als nächstes steht dann ein Gemeinschaftsprojekt mit anderen Weißenseer Kreativen an – eine Art Liebeserklärung an unseren Stadtteil in Form einer Weißensee-Faltkarte. Auf dieser stellen wir dann besondere Orte, Sehenswürdigkeiten, Geschäfte und Kreative im Kiez vor. Sie soll dann ab April in Läden und Cafés in und um Weißensee ausliegen.

 

Gibt es so etwas wie ein Traumprojekt, das du gerne mal realisieren möchtest?

Ich würde mit Lieselotte gerne mehr Cafés und Hotels ausstatten und Licht- und Raumkonzepte mit meinen Lampen entwerfen. Neben dem Café und Geschenkeladen Friedas Glück, befinden sich meine Lampen z.B. auch in einer belgischen Suppenküche und einem Berliner Food Truck. Mein Lieblingsauftrag war ein Hotel in Dublin, in dem 10 verschiedene Lampen von Lieselotte hängen. Ein neues schönes Projekt steht vielleicht bald in London an.

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Du bist ja eigentlich von der Ostsee. Wie hat es dich nach Berlin verschlagen?

Ich bin nach dem Studium für ein Praktikum nach Berlin gekommen. Obwohl ich zuerst im Prenzlauer Berg gewohnt habe, verbrachte ich einen schönen Sommer in Weißensee. Später zog ich dann mit meinem Freund hierher. Auch wenn der See für mich als Ostseekind kein adäquater Ersatz ist – ich mag Weißensee. Es ist grün, abwechslungsreich und nicht so touristisch und hektisch. Es hat eine bunte Mischung an unterschiedlichen Menschen und ist nicht so gentrifiziert wie andere Stadtteile. Für meinen Geschmack könnte sich aber auch noch mehr Schönes, Kleines und Feines hier ansiedeln.

 

Hast du Lieblingsorte in Weißensee?

Ich finde den Jüdischen Friedhof besonders toll. Der hat so etwas Verwunschenes. Er ist weitläufig und grün und besitzt eine lange Geschichte. Ansonsten bin ich gerne Gast im Friedas Glück, Happa Happa oder im Parkstern. Eigentlich müsste ich mal wieder mehr im Kiez umherziehen. Wer weiß was für Entdeckungen ich noch machen kann.

 

Mit Fotos von Laura Lost, Nadja Hannaske und Anna Stippa


 

Lieselotte vor Ort:

Anka Büchlers Lampen, Etageren und Grafiken kann man im Friedas Glück – Café und Geschenkeladen bestaunen und kaufen.

 

Lieselotte im web:

www.lieselotte-berlin.de
info@lieselotte-berlin.de

   Lieselotte im Fernsehen:

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